Die sieben Bewusstseinstufen der Inka-Tradition

Die Inka-Tradition hat auch für das Verständnis von Entwicklungsphasen ein ganz klares und verständliches Konzept. Sie sagt, Entwicklung findet in sieben Bewusstseinsstufen statt.

Dieses Konzept kann man meiner Meinung nach sowohl individuell als auch kollektiv anwenden, um persönliche Entwicklungsschritte zu erkennen um sich dadurch selbst zu verorten oder auch um kulturelle Entwicklung zu beschreiben.

Gemäß diesem Konzepts befinden wir uns sowohl individuell als auch kulturell auf der dritten Bewusstseinsebene auf dem Sprung zur vierten – Abweichungen nach oben und unten gibt es dabei selbstverständlich auch.

Ich möchte heute die Entwicklungen bis zur vierten Stufe etwas genauer erforschen und habe sie sowohl die persönliche Entwicklung als auch die kulturelle Entwicklung unter die Lupe genommen:

Persönliche Entwicklung – Stufe „0“

Zu Beginn der Entwicklung, bevor man die erste Stufe erklimmt, ist man erst einmal auf dem Boden, der Erdoberfläche. Der Mensch kommt als Baby zur Welt, wird unter den wachsamen Augen der Eltern zum Kleinkind, dessen Welt aus der Wohnung, dem Haus, dem Spielplatz und vielleicht auch einem Garten besteht – das ist seine Welt – darüber hinaus kommt es nicht. Es ist noch ein kleiner Bewegungsradius, in dem es wunderschöne Dinge zu entdecken gibt, aber auch Gefahren, die auf einen lauern. Doch Mama und Papa räumen, Messer, Gabel, Schere, Licht weg. Man muss sich um nichts sorgen und fühlt sich geborgen in dieser kleinen Welt.

Wenn man auf Stufe „0“ steckenbleibt

Was passiert, wenn ein Mensch auf dieser Stufe bleibt, sich nicht herausentwickelt: Wenn sich ein Mensch aus dieser Ebene nicht herausentwickelt, dann ist er als Erwachsener ein Mensch der sich aus seiner Bewusstseinsebene heraus nicht groß verpflichtet, engagiert oder einlässt, eher launisch und den eigenen Emotionen ausgeliefert, dem langweilig ist, weil er nichts aus sich selbst heraus kreieren kann, einer der auf Modeströmungen aufspringt, der sich in der Masse aufgehoben fühlt, der nichts aus eigenem Antrieb macht, sondern, weil es eben „in“ ist.

Die Kultur der Stufe „0“

Kulturell würde ich diese lange, lange Entwicklungsebene des Menschen dem des Matriarchats zuordnen. Da gibt es die große Göttin, die Leben gibt und Leben nimmt. Die große Mutter, die alles in ihrem Schoß gebärt, die ihre Kinder nährt, manchmal auch zornig ist und auch mal Plagen schickt, wenn man nicht „brav“ war. Das Leben findet in Clans statt: es herrscht Gemeineigentum und die Beute wird mit allen Mitgliedern geteilt. Der Individualismus ist den meisten Naturvölkern unbekannt und unverständlich. Das Zusammenleben wird durch soziale Normen als ungeschriebene Gesetze geregelt, die nur selten gebrochen werden.

 


 

Persönliche Entwicklung – Stufe „I“

Das Kind entwickelt sich zum Jugendlichen, erweitert seinen Erlebensradius, entwindet sich dem elterlichen Griff, kommt vielleicht zum ersten Mal in das nächstgrößere Dorf, lernt neue Menschen und Sichtweisen kennen. Das ist einerseits aufregend, andererseits macht das auch unsicher. Da gibt es eine Menge Selbstzweifel und man schwankt in dieser Zeit oft zwischen Himmelhoch Jauchzend zu Tode betrübt, zwischen Schwarz und weiß, zwischen Selbstakzeptanz und Selbstkritik, zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung. Nach Außen eignet man sich dann eine Persönlichkeit an, eine Maske, die Selbstsicherheit gibt.

„Ich allein weiß, wie es richtig geht“.

Dahinter steckt der unsichere Anführer, der seiner Clique sagt, wo`s lang geht der aber tief im Inneren Angst hat, das er „auffliegt“, das Irgendjemand erkennen könnte, dass er ein „Blender“ ist.

Wenn man auf Stufe „I“ steckenbleibt

Bleibt man als Erwachsener hier hängen, so ist man dazu gezwungen, diese Maske jeden Tag zu füttern, damit man seinen Status nicht verliert. Eine Maske, die mittlerweile so mit seinem Kern verklebt, dass man sie nicht mehr als Maske erkennt. Man herrscht in seinem Reich mit eisener Konsequenz. Und alles, und jeder, der gegen einen ist, wird platt gemacht. Ein erwachsener Despot, der gegen jeden in Krieg zieht, der ausbeutet, plündert, brandschatzt um sein Territorium zu erweitern.

Die Kultur der Stufe „I“

Durch die Migration einzelner Familien und die Aufnahme von Mitgliedern fremder Herkunft lösen sich Clangemeinschaften auf und verändern sich zu Dorfgemeinschaften. Die Dorfmark bezieht sich auf ein festgelegtes Gebiet und definiert so eine territoriale Gemeinschaft. Die Ausdehnung des Territoriums erreichten die Anführer, deren Persönlichkeit ich eben beschrieben habe:

sie beuten aus, plündern, brandschatzen um ihr Territorium zu erweitern. Die Besiegten werden entweder ermordet oder versklavt. Man benutzt sie und wirft sie weg, wenn sie nicht mehr dienlich sind. Status wird durch Macht erlangt. Hier ist meiner Meinung nach der Wechsel vom Matriarchat zum Patriachat.

 


 

Persönliche Entwicklung – Stufe „II“

Die zweite Ebene kann man anhand eines jungen Erwachsenen beschreiben, der aus der Enge seines Dorfes herausgekommen ist und Erfahrungen in der großen Stadt gesammelt hat. Er weiß, dass es unterschiedliche Überbegriffe gibt und hat dafür für sich Schubladen kreiert. Er kann unterschiedliche Situationen und Erfahrungen in diese Schubladen stecken, weiß, dass für ihn verschiedene Dinge wichtig sind, kann sie aber untereinander nicht in Beziehung setzen. Für ihn ist dann zum Beispiel Geld wichtig, Beziehung ist auch wichtig, Sport ist wichtig und auch Gesundheit. Wie diese Begriffe zusammenhängen, sich bedingen, kann er nicht definieren.

Wenn man auf Stufe „II“ steckenbleibt

Bleibt ein Mensch auf der zweiten Ebene stecken, wird er die Welt weder empathisch noch fürsorglich wahrnehmen. Die Welt ist ein Selbstbedienungsladen, in dem sich der Stärkere bedienen kann. Je mehr man hat, je mehr man hortet, je mehr Materie man anhäufen kann, umso besser. Dass man die dann wieder in die Gesundheit stecken muss, weil man sich selbst ausbrennt, kann nicht in Bezug gesetzt werden. Es gibt immer noch schwarz und weiß, jedoch auch eine Differenzierung in unterschiedliche Schubladen.

Die Kultur der Stufe „II“

Die Menschheit erweitert ihren Aktionsradius in fremde Welten: Afrika, Amerika, Asien,der Handel erblüht, jedoch  in kolonialer Form. Die  selbsternannten Herrenrassen überlagern die Kultur, die Sprache, die Religion und Symbole der originären Völker. Die Natur ist für sie ein Selbstbedienungsladen, der ausgebeutet werden kann und auch die drin lebenden Völker.

 


 

Persönliche Entwicklung – Stufe „III“

Nun wird der junge Erwachsene zum Erwachsenen, hat unterschiedliche Länder bereist, andere Länder und andere Gewohnheiten kennengelernt, fühlt sich als Weltbürger und sein Resüme ist: „Wie großartigl, dass ich Brite, Deutscher, Franzose bin! Ich bin die Krone der Schöpfung und gehöre der Elite an! Er sieht sich zwar als Teil der Weltbevölkerung, ist dabei im Feld von Wertung, Bewertung, Aufwertung seiner Gesellschaftsschicht bei gleichzeitiger Abwertung aller anderen, die nicht so sind wie er selbst und nimmt sich als einen besonderen Teil wahr. Er ist also Teil, aber auch irgendwie ein wichtigerer Teil.

Wenn man auf Stufe „III“ steckenbleibt

Nach Aussen hin kompromissbereit, dialogbereit, kooperativ, jovial aber nur bis zu einem gewissen Punkt, solange die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Hinterrücks wird an der Stellung des Konkurrenten gesägt, heimliche Bündnisse geschmiedet aber keine Konflikte offenen ausgetragen. Es wird hinter dem Rücken gelästert, nach vorne gelächelt, nach oben gekatzbuckelt, nach unten getreten. Aber alles irgendwie so verdeckt, dass man immer das Gesicht wahrt.

Die Kultur der Stufe „III“

Begonnen hat die dritte Stufe während der Industrierevolution bis heute. Die Menschheit glauben, dass sie die Natur dominiert und nicht von ihr abhängig ist. Wir glauben durch unsere ökologische Haltung bereits auf der vierten Stufe zu sein. Wir produzieren Elektroautos, bauen ökologisch, Trennen den Müll, aber die Ozeane sind voller Plastik. Tiere und Pflanzen sterben aus. Eigentlich ist unser Handeln nur Schminke. Wir bekommen so viele Hinweise wie z.B. der Klimawechsel, aber wir handeln nicht.

 

Wie denkt nun die vierte Ebene? Wie nimmt die vierte Ebene die Natur wahr?

Die vierte Ebene sagt: “ ich bin Natur. Und zwar immer und jederzeit. Ich muss nicht draußen in der Natur sein um mich als Natur wahrzunehmen. Ich bin in Verbindung und zwar immer und zu jederzeit., auch wenn ich zum Beispiel in einem Großraumbüro sitze. In mir spiegelt sich die Natur weil ich Natur bin. Und: ich sehe in allem, was mir begegnet, Natur. Ich bin fähig Brücken zu bauen zwischen unterschiedlichen Sichtweisen, Weltbildern, Religionen, Anschauungen. Ich versuche den gemeinsamen Nenner zu finden, nicht das, was uns trennt.

Jeder Wechsel auf eine höhere Stufe heißt, das vorhergehende Konzept loszulassen, auch wenn ich nicht sicher sein kann, die nächste Stufe zu erreichen. Hat man so ein Treppengeländer wie dieses Stufenmodell, dann ist es wesentlich einfacher, die vorhergehende vermeintliche Sicherheit zu verlassen um sich auf den Weg zur nächsten Ebene zu begeben.

Meiner Meinung nach steht nun der Wechsel von „ich bin ein Teil der Natur“ zu „ich bin Natur“ an. Der Wechsel von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Der Wechsel von dem wertenden Status, Teil eines Ganzen zu sein. Jedoch mit dem Bewusstsein, möglicherweise besser oder wichtiger oder wertvoller zu sein, hin zum tiefenökologischen Weltverständnis.

Die Inka Tradition bietet da ganz klare Hilfestellungen an, sie stellt uns einen Kompass zur Verfügung, mit dem wir uns in unserer Lebenslandschaft orientieren können und auf diese Weise der Wechsel gelingen kann und zwar ohne Angst, ohne Panik, ohne das Gefühl, den Halt zu verlieren.

Ist man sich der natürlichen Gesetzmäßigkeiten bewusst, hat man erkannt, dass man bereits im bisherigen Leben schon viele dieser Wandelzeiten erlebt und überwunden hat, dann wächst damit das Vertrauen, alles bei sich zu haben, um die Krisenzeiten, die an jedem Anfang persönlichen Wachstums stehen gut zu durchleben. Denn nur so geht`s: läuft man davor weg, wird der Wandel abgebrochen. Und eine abgebrochene Initiationsphase endet oftmals in der Depression oder zumindest im hilflosen Opfer-Status.

Unsere Seele hat den unbedingten Wunsch, sich zu entfalten, will sich in all ihren Facetten erforschen: im materiellen, emotionalen, mentalen und spirituellen Sein und

Unsere Seele will sich weiten! Aus einem egozentrierten Tun um Anerkannt und geliebt zu werden in ein seelenzentriertes Sein wachsen.

Von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Vom Bewusstsein, Teil der Natur zu sein, in das Erleben kommen, Natur zu sein.

Auf welcher Ebene siehst Du Dich? Definierst Du Dich als über der Natur stehend als Teil der Natur oder bist Du Natur?

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