Nein, Du bist kein TEIL der Natur!

 

Du bist kein Teil der Natur, Du bist Natur! 

Das ist der evolutionäre Sprung, der JETZT gerade ansteht. Ein Bewusstseins-Wandel, ohne den wir die Krise nicht als Sprungbrett in eine neue Wertewelt nutzen können. Ein Sprung, der wichtiger denn je ist, wenn wir uns einem tiefenökologischen Weltbild öffnen wollen, und nicht wieder in die „Norm-alität“ zurückfallen wollen.

Diese gewagte These möchte ich heute mit euch genauer anschauen

Ich möchte euch auf eine Reise mitnehmen, die unsere persönliche Entwicklung und unsere kulturelle Entwicklung erforscht und dabei unser Verhältnis zur Natur unter die Lupe nimmt. Damit wir verstehen, wo es in unserer persönlichen und kulturellen Entwicklung hingehen soll, damit wir dem Ruf der Tiefenökologie folgen können.

Jetzt werdet ihr mich vielleicht fragen: „Was ist denn Tiefenökologie?“ Lasst uns den Begriff etwas genauer anschauen:

Tiefenökologie ist etwas, das viele von euch bereits Tag für Tag leben, ohne es mit dem Begriff zu verbinden. Es ist eine spirituelle, „ganzheitliche” Umwelt- und Naturphilosophie, die ein Leben im Einklang mit der Natur anstrebt.

Der norwegische Philosoph Arne Ness hat Anfang der 70er Jahre diesen Begriff geprägt: Er sagt: es geht dabei um ökologische Harmonie und ökologisches Gleichgewicht. Dabei geht es nicht nur darum, schonend mit Umweltressourcen umzugehen, wie der Begriff Ökologie verwendet wurdet.

Es geht darum vier Faktoren zu vereinen, nämlich

  • das Denken,
  • das Fühlen
  • das Handeln
  • und die Spiritualität, also die Verbindung mit allem und zu allem, was ist.

Arne Ness sagt: Der Mensch soll sich seiner Rolle als „Bewahrer“ seiner eigenen Welt bzw. Lebensgrundlage bewusstwerden.

Es geht dabei auch um die Frage, wie wir eine andere, menschlichere Lebensart gestalten können, eben sich nicht mehr als Krone der Schöpfung zu sehen und sich damit das Recht zu geben, die Natur auszubeuten, sich ihrer ohne Maß und Ziel zu bedienen.

Es geht dabei auch um Empathie für alles Lebendige, um eine „biosphärische Gleichheit“ herstellen zu können.

Im wissenschaftlichen Rahmen ist die Tiefenökologie von der Gaia-Hypothese inspiriert. Die besagt: Die Erde ist ein bewusster, lebender Organismus. Ich füge hinzu: mit dem man folglich auch Kontakt aufnehmen und in Verbindung treten kann.

Das Spannende ist: Alle diese neuen, visionären Theorien stimmen mit einem Weltbild überein, das bereits seit über 500 Jahre existiert und lange Zeit in Vergessenheit geraten ist: Der Kosmovision der andinen Tradition, insbesondere der Inka-Tradition. Die erkannte schon damals: Wir leben in einer Welt von lebendiger Energie. Sie nennen das auf Quechua, der Sprache der andinen Region, die auch heute noch, neben Aymaraf gesprochen wird:

KAUSAY PACHA – dabei ist Kausay: lebendige Energie und Pacha: Raum und Zeit.

Alles ist Energie, alles besteht aus lebendiger Energie und zwar in Fülle

Der Berg, die Pflanze, der Tisch, die Sterne, ich, Du, der See – alles ist lebendige Energie und überall herrscht ein Austausch.

Alles, was aus Energie besteht, strahlt Energie ab, ist umhüllt von Energie und in Hülle und Fülle vorhanden. Gehe ich in Kontakt mit der lebendigen Energie, verbinde ich mich, kann ich aus der Fülle schöpfen.

In unserer westlichen Welt leben wir ja eher im Bewusstsein, das Alles knapp ist, alles hart erkämpft werden muss, dass nur harte Arbeit zum Ziel führt. Neid und Missgunst kommen durch den Knappheitsgedanken auf, Wertung entsteht und dadurch Trennung.

Die andine Tradition lehrt hingegen:

Du musst nicht irgendwie sein um Dich verbinden zu dürfen. Du kannst Dich einfach verbinden und die Fülle der lebendigen Energie zu erfahren und in Austausch gehen, denn auch Deine Energie ist ein wichtiger Teil, der Wissenswertes enthält: Deine Erfahrungen, Dein Erleben, Deine Weisheit. Im Austausch verbindest Du Dich mit dem Fluss des Lebens.

Was glaubst Du: welches Weltbild ermöglicht es eher, ein Leben in Harmonie und Fülle zu leben? Erlaube ich mir die Welt als einen Ort wahrzunehmen, in dem ein kontinuierlicher Austausch von Energien stattfindet,  dem es gut tut, wenn harmonische Verbindungen entstehen, den ich unterstützen kann, wenn ich lerne, ausgleichende Fähigkeiten zu entwickeln, dann kann ich mir und anderen helfen, zu einer dem Leben dienenden Gemeinschaft zusammen zu wachsen.

Das ist pure, gelebte Tiefenökologie!

Als Orientierung für persönliches Wachstum war seit jeher die Natur maßgebend. Um persönlich zu wachsen, musste man erst einmal den Boden erforschen, überprüfen, ob er erst noch vorbereitet, gedüngt und bearbeitet werden musste, damit er überhaupt einen Samen aufnehmen konnte

Man muss auf den richtigen Zeitpunkt warten, muss wissen, welche Pflanze man wo ziehen kann, muss erlernen, dass zum Beispiel, die Keimruhe mit zum Wachstumsprozess gehört, dass Wachstum bereits stattfindet, auch wenn man im Außen noch nichts sieht.

Inwieweit muss ich mich um die Pflanze kümmern? Zuwenig bedeutet, dass das Neue nicht gedeihen kann, zuviel bedeutet, dass die Pflanze nicht stark genug werden wird, um eigenständig zu überleben.

Wieviel Erde, Wind, Sonne, Wasser benötigt die Pflanze? Wann ist es Zeit, Wasserschösslinge abzuschneiden damit die Frucht heranreifen kann? Wann ist die richtige Zeit zu ernten und wie ist die Frucht zu verarbeiten, dass sie nicht verdirbt und mir als Vorrat für den Winter dient oder als Saatgut für die nächste Wachstumsphase?

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen,  sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Wir sind eingewoben in den immerwährenden Zyklus. Wenn wir unseren inneren Frühling, Sommer, Herbst und Winter in uns entdecken, die den Jahreszeiten innewohnenden Kräfte nutzen und leben, dann verstehen wir auch, was uns hindert und blockiert, aber auch was uns stärkt und nährt. Dann sind wir kein Spielball von unbekannten Kräften, sondern aktiver Gestalter unseres Lebens und zwar in Harmonie mit unserer Natur.

Für uns, die wir alle im mechanistischen Weltbild aufgewachsen sind, in dem unser Körper auch heute noch von der Schulmedizin als Funktionseinheiten definiert wird, dessen Symptome nur lange genug unterdrückt werden müssen, um wieder arbeitsfähig zu werden, für uns ist das erst einmal ein ungewöhnlicher Blick, zyklische Wesen zu sein.

Da gibt es nun nicht mehr ein lineares Erleben der Welt, das zwischen Geburt und Tod aufgespannt ist. Das natürlich immer höher, weiter, schneller, größer, erfolgreicher werden muss und sich auf der Jagd nach – immer auf Wachstum gerichteter Ziele – maßlos erschöpft.

Im Erleben einer zyklischen Natur gibt es plötzlich ganz andere Kriterien: Da gibt es Wachstumsphasen aber auch Ruhephasen, die ebenso wichtig sind. Da ist das Scheitern ebenso Teil des Prozesses, kein Aussortierungs-Merkmal, wie im linearen Weltbild, wo nur die Besten gewinnen, in dem es nur EINEN Sieger gibt. Das Scheitern gibt uns da den Impuls zu reifen, tiefer zu werden.

Die Erkenntnis dessen ist einer der Fähigkeiten, die ein Menschen ausmacht, der sich als Natur erfährt.

Die andine Tradition sagt, die persönliche Kraft, die einen Menschen ausmacht, besteht aus drei Faktoren:

  • Yachay – die Fähigkeit zu denken
  • Munay – die Fähigkeit zu Lieben, das zu gehört das Wohlwollen  (Love and Will)
  • Llankay – die Fähigkeit zu handeln

Als vierte Qualität würde ich ergänzen, die Fähigkeit, diese Komplementärenergien harmonisch auszugleichen und zu verbinden.

Erinnert ihr euch an den essentiellen Punkt der tiefenökologischen Definition, den ich zu Beginn beschrieb? Arne Ness sagte, es gehe darum

  • das Denken,
  • das Fühlen
  • das Handeln
  • und Die Spiritualität, also die Verbindung zu allem, was ist, zu vereinen.

Wie komme ich nun dazu, diese Bewusstseins-Ebene aktiv anzusteuern? Tiefenökologie kann man nicht mit „Umdenken“ erreichen. Es geht nicht darum, mal schnell den Radiosender zu wechseln. Das geht ebensowenig wie man eine seit Kindheit erfahrene Religionspraxis durch Konvertierung mal schnell ablegen könnte.

Es geht um ein tiefes Erfahren von Verbindung, ein tiefes Erleben von Verbindung, das im Inneren als absolut Wahrhaftig erlebt wird, um es nicht nur als neues, trendiges Livestyle-Konzept seinem Leben hinzuzufügen.

Wir sind doch immer auf der Suche nach irgendetwas, das uns ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit gibt.

Ein Gefühl, gesehen, akzeptiert und geliebt zu sein, besser zu sein, anders zu sein, einen neuen Input zu erhalten, der uns hilft, irgendwo anzukommen. Und so suchen wir unser Heil in einem gesunden Lifestyle, im neuronalen Bewusstseins-Shaping, in den wie Pilze herausschießenden Optimierungs-Coachings oder vielleicht auch im Waldbaden.

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen, sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Die Inka-Tradition hat auch für das Verständnis von Entwicklungsphasen ein ganz klares und verständliches Konzept. Sie sagt, Entwicklung findet in sieben Bewusstseinsstufen statt.

Dieses Konzept kann man meiner Meinung nach sowohl individuell als auch kollektiv anwenden, um persönliche Entwicklungsschritte zu erkennen um sich dadurch selbst zu verorten oder auch um kulturelle Entwicklung zu beschreiben.

Gemäß diesem Konzepts befinden wir uns sowohl individuell als auch kulturell auf der dritten Bewusstseinsebene auf dem Sprung zur vierten – Abweichungen nach oben und unten gibt es dabei selbstverständlich auch.

Persönliche Entwicklung – Stufe „0“

Zu Beginn der Entwicklung, bevor man die erste Stufe erklimmt, ist man erst einmal auf dem Boden, der Erdoberfläche. Der Mensch kommt als Baby zur Welt, wird unter den wachsamen Augen der Eltern zum Kleinkind, dessen Welt aus der Wohnung, dem Haus, dem Spielplatz und vielleicht auch einem Garten besteht – das ist seine Welt – darüber hinaus kommt es nicht. Es ist noch ein kleiner Bewegungsradius, in dem es wunderschöne Dinge zu entdecken gibt, aber auch Gefahren, die auf einen lauern. Doch Mama und Papa räumen, Messer, Gabel, Schere, Licht weg. Man muss sich um nichts sorgen und fühlt sich geborgen in dieser kleinen Welt.

Wenn man auf Stufe „0“ steckenbleibt

Was passiert, wenn ein Mensch auf dieser Stufe bleibt, sich nicht herausentwickelt: Wenn sich ein Mensch aus dieser Ebene nicht herausentwickelt, dann ist er als Erwachsener ein Mensch der sich aus seiner Bewusstseinsebene heraus nicht groß verpflichtet, engagiert oder einlässt, eher launisch und den eigenen Emotionen ausgeliefert, dem langweilig ist, weil er nichts aus sich selbst heraus kreieren kann, einer der auf Modeströmungen aufspringt, der sich in der Masse aufgehoben fühlt, der nichts aus eigenem Antrieb macht, sondern, weil es eben „in“ ist.

Der Blick auf die Natur aus Stufe „0“

Der Blick eines Kindes auf die Natur ist spielerisch, neugierig, und offen. Sie ist da und man bewegt sich darin. Ein geheimnisvoller, unberechenbarer magischer Ort, der einem freundlich gesinnt sein kann, umgeben von liebevollen Wesen wie Elfen und Nymphen, aber von dem aus auch Gefahr ausgehen kann wie zum Beispiel von Erlkönigen, oder magischen Pflanzenwesen deren Verzehr tödlich sein kann. Amulette können vor der Unberechenbarkeit der Natur schützen. Man stellt Wetterkerzen ins Fenster,  beschwört Regen bei Trockenheit und zieht den Hut vor der Hollerin, dem Holunderbaum, der zu einem jeden Bauernhof gehörte. Die Natur ist launisch, mächtig (so wie die eigenen Eltern), und man versucht, mit Gaben und Gebeten ein gutes Verhältnis mit ihr zu haben.

Die Kultur der Stufe „0“

Kulturell würde ich diese lange, lange Entwicklungsebene des Menschen dem des Matriarchats zuordnen. Da gibt es die große Göttin, die Leben gibt und Leben nimmt. Die große Mutter, die alles in ihrem Schoß gebärt, die ihre Kinder nährt, manchmal auch zornig ist und auch mal Plagen schickt, wenn man nicht „brav“ war. Das Leben findet in Clans statt: es herrscht Gemeineigentum und die Beute wird mit allen Mitgliedern geteilt. Der Individualismus ist den meisten Naturvölkern unbekannt und unverständlich. Das Zusammenleben wird durch soziale Normen als ungeschriebene Gesetze geregelt, die nur selten gebrochen werden.

 


 

Persönliche Entwicklung – Stufe „I“

Das Kind entwickelt sich zum Jugendlichen, erweitert seinen Erlebensradius, entwindet sich dem elterlichen Griff, kommt vielleicht zum ersten Mal in das nächstgrößere Dorf, lernt neue Menschen und Sichtweisen kennen. Das ist einerseits aufregend, andererseits macht das auch unsicher. Da gibt es eine Menge Selbstzweifel und man schwankt in dieser Zeit oft zwischen Himmelhoch Jauchzend zu Tode betrübt, zwischen Schwarz und weiß, zwischen Selbstakzeptanz und Selbstkritik, zwischen Größenwahn und Selbstverleugnung. Nach Außen eignet man sich dann eine Persönlichkeit an, eine Maske, die Selbstsicherheit gibt.

„Ich allein weiß, wie es richtig geht“.

Dahinter steckt der unsichere Anführer, der seiner Clique sagt, wo`s lang geht der aber tief im Inneren Angst hat, das er „auffliegt“, das Irgendjemand erkennen könnte, dass er ein „Blender“ ist.

Wenn man auf Stufe „I“ steckenbleibt

Bleibt man als Erwachsener hier hängen, so ist man dazu gezwungen, diese Maske jeden Tag zu füttern, damit man seinen Status nicht verliert. Eine Maske, die mittlerweile so mit seinem Kern verklebt, dass man sie nicht mehr als Maske erkennt. Man herrscht in seinem Reich mit eisener Konsequenz. Und alles, und jeder, der gegen einen ist, wird platt gemacht. Ein erwachsener Despot, der gegen jeden in Krieg zieht, der ausbeutet, plündert, brandschatzt um sein Territorium zu erweitern.

Der Blick auf die Natur aus Stufe „I“

„Natur ist dazu da, meinen Bedürfnissen zu dienen. Ich habe mich von ihr getrennt. Sich um sie sorgen? Nö. Ich nutze sie und basta. Und ich weiß auch genau, wie ich sie benutzen kann“. Meine Sicht könnte dann zum Beispiel aus heutiger Sicht sein: Nur wer im Wald spazieren geht, kann Natur erfahren. Punkt. Ob`s auch im Park geht? Nö, sag ich doch: nur im Wald.

Die Kultur der Stufe „I“

Durch die Migration einzelner Familien und die Aufnahme von Mitgliedern fremder Herkunft lösen sich Clangemeinschaften auf und verändern sich zu Dorfgemeinschaften. Die Dorfmark bezieht sich auf ein festgelegtes Gebiet und definiert so eine territoriale Gemeinschaft. Die Ausdehnung des Territoriums erreichten die Anführer, deren Persönlichkeit ich eben beschrieben habe:

sie beuten aus, plündern, brandschatzen um ihr Territorium zu erweitern. Die Besiegten werden entweder ermordet oder versklavt. Man benutzt sie und wirft sie weg, wenn sie nicht mehr dienlich sind. Status wird durch Macht erlangt. Hier ist meiner Meinung nach der Wechsel vom Matriarchat zum Patriachat.

 


 

Persönliche Entwicklung – Stufe „II“

Die zweite Ebene kann man anhand eines jungen Erwachsenen beschreiben, der aus der Enge seines Dorfes herausgekommen ist und Erfahrungen in der großen Stadt gesammelt hat. Er weiß, dass es unterschiedliche Überbegriffe gibt und hat dafür für sich Schubladen kreiert. Er kann unterschiedliche Situationen und Erfahrungen in diese Schubladen stecken, weiß, dass für ihn verschiedene Dinge wichtig sind, kann sie aber untereinander nicht in Beziehung setzen. Für ihn ist dann zum Beispiel Geld wichtig, Beziehung ist auch wichtig, Sport ist wichtig und auch Gesundheit. Wie diese Begriffe zusammenhängen, sich bedingen, kann er nicht definieren.

Wenn man auf Stufe „II“ steckenbleibt

Bleibt ein Mensch auf der zweiten Ebene stecken, wird er die Welt weder empathisch noch fürsorglich wahrnehmen. Die Welt ist ein Selbstbedienungsladen, in dem sich der Stärkere bedienen kann. Je mehr man hat, je mehr man hortet, je mehr Materie man anhäufen kann, umso besser. Dass man die dann wieder in die Gesundheit stecken muss, weil man sich selbst ausbrennt, kann nicht in Bezug gesetzt werden. Es gibt immer noch schwarz und weiß, jedoch auch eine Differenzierung in unterschiedliche Schubladen.

Die Kultur der Stufe „II“

Die Menschheit erweitert ihren Aktionsradius in fremde Welten: Afrika, Amerika, Asien,der Handel erblüht, jedoch  in kolonialer Form. Die  selbsternannten Herrenrassen überlagern die Kultur, die Sprache, die Religion und Symbole der originären Völker. Die Natur ist für sie ein Selbstbedienungsladen, der ausgebeutet werden kann und auch die drin lebenden Völker.

Der Blick auf die Natur aus Stufe „II“

„Ok, ich erkläre Dir jetzt mal die Welt: Energie tanken kannst Du nur und ausschließlich im Wald. Willst Du runterfahren geht das ausschließlich bei der Gartenarbeit. Entspannen geht nur auf Grünflächen in Parks. Aber Energie tanken geht definitiv nicht in Parks. Das eine hat mit dem anderen rein gar nichts zu tun“

 


Persönliche Entwicklung – Stufe „III“

Nun wird der junge Erwachsene zum Erwachsenen, hat unterschiedliche Länder bereist, andere Länder und andere Gewohnheiten kennengelernt, fühlt sich als Weltbürger und sein Resüme ist: „Wie großartigl, dass ich Brite, Deutscher, Franzose bin! Ich bin die Krone der Schöpfung und gehöre der Elite an! Er sieht sich zwar als Teil der Weltbevölkerung, ist dabei im Feld von Wertung, Bewertung, Aufwertung seiner Gesellschaftsschicht bei gleichzeitiger Abwertung aller anderen, die nicht so sind wie er selbst und nimmt sich als einen besonderen Teil wahr.

Er ist also Teil, aber auch irgendwie ein wichtigerer Teil.

 

Wenn man auf Stufe „III“ steckenbleibt

Nach Aussen hin kompromissbereit, dialogbereit, kooperativ, jovial aber nur bis zu einem gewissen Punkt, solange die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden. Hinterrücks wird an der Stellung des Konkurrenten gesägt, heimliche Bündnisse geschmiedet aber keine Konflikte offenen ausgetragen. Es wird hinter dem Rücken gelästert, nach vorne gelächelt, nach oben gekatzbuckelt, nach unten getreten. Aber alles irgendwie so verdeckt, dass man immer das Gesicht wahrt.

Die Kultur der Stufe „III“

Begonnen hat die dritte Stufe während der Industrierevolution bis heute. Die Menschheit glauben, dass sie die Natur dominiert und nicht von ihr abhängig ist. Wir glauben durch unsere ökologische Haltung bereits auf der vierten Stufe zu sein. Wir produzieren Elektroautos, bauen ökologisch, Trennen den Müll, aber die Ozeane sind voller Plastik. Tiere und Pflanzen sterben aus. Eigentlich ist unser Handeln nur Schminke. Wir bekommen so viele Hinweise wie z.B. der Klimawechsel, aber wir handeln nicht.

Der Blick auf die Natur aus Stufe „III“

„Ich bin Teil der Natur, ein wichtiger Teil, vielleicht sogar der wichtigste, weil ich eben weiß, dass ich Teil der Natur bin. Da bin ich einem Stein, einer Pflanze, einem Tier oder einem See auf alle Fälle überlegen, denn ICH weiß es. Und als Teil der Natur sage ich Dir, der das vielleicht noch nicht erkannt hat, dass es die beste Möglichkeit sich zu entspannen, draußen in der Natur geht. Ja, die einzige Möglichkeit zu entspannen ist, in die Natur zu gehen.

Erinnere Dich:

Solange ich mich nur als Teil der Natur definiere, nicht als Natur, solange werde ich Naturgesetze nicht als meine Lebensgrundlage sehen, sondern als „Kann“-Gebot, das mal auf mich zutrifft, die meiste Zeit aber nicht.

Wie denkt nun die vierte Ebene? Wie nimmt die vierte Ebene die Natur wahr?

Die vierte Ebene sagt: “ ich bin Natur. Und zwar immer und jederzeit. Ich muss nicht draußen in der Natur sein um mich als Natur wahrzunehmen. Ich bin in Verbindung und zwar immer und zu jederzeit., auch wenn ich zum Beispiel in einem Großraumbüro sitze. In mir spiegelt sich die Natur weil ich Natur bin. Und: ich sehe in allem, was mir begegnet, Natur. Ich bin fähig Brücken zu bauen zwischen unterschiedlichen Sichtweisen, Weltbildern, Religionen, Anschauungen. Ich versuche den gemeinsamen Nenner zu finden, nicht das, was uns trennt.

Jeder Wechsel auf eine höhere Stufe heißt, das vorhergehende Konzept loszulassen, auch wenn ich nicht sicher sein kann, die nächste Stufe zu erreichen. Hat man so ein Treppengeländer wie dieses Stufenmodell, dann ist es wesentlich einfacher, die vorhergehende vermeintliche Sicherheit zu verlassen um sich auf den Weg zur nächsten Ebene zu begeben.

Meiner Meinung nach steht nun der Wechsel von „ich bin ein Teil der Natur“ zu „ich bin Natur“ an. Der Wechsel von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Der Wechsel von dem wertenden Status, Teil eines Ganzen zu sein. Jedoch mit dem Bewusstsein, möglicherweise besser oder wichtiger oder wertvoller zu sein, hin zum tiefenökologischen Weltverständnis.

Die Inka Tradition bietet da ganz klare Hilfestellungen an, sie stellt uns einen Kompass zur Verfügung, mit dem wir uns in unserer Lebenslandschaft orientieren können und auf diese Weise der Wechsel gelingen kann und zwar ohne Angst, ohne Panik, ohne das Gefühl, den Halt zu verlieren.

Ist man sich der natürlichen Gesetzmäßigkeiten bewusst, hat man erkannt, dass man bereits im bisherigen Leben schon viele dieser Wandelzeiten erlebt und überwunden hat, dann wächst damit das Vertrauen, alles bei sich zu haben, um die Krisenzeiten, die an jedem Anfang persönlichen Wachstums stehen gut zu durchleben. Denn nur so geht`s: läuft man davor weg, wird der Wandel abgebrochen. Und eine abgebrochene Initiationsphase endet oftmals in der Depression oder zumindest im hilflosen Opfer-Status.

Unsere Seele hat den unbedingten Wunsch, sich zu entfalten, will sich in all ihren Facetten erforschen: im materiellen, emotionalen, mentalen und spirituellen Sein und

Unsere Seele will sich weiten! Aus einem egozentrierten Tun um Anerkannt und geliebt zu werden in ein seelenzentriertes Sein wachsen.

Von der dritten Ebene auf die vierte Ebene. Vom Bewusstsein, Teil der Natur zu sein, in das Erleben kommen, Natur zu sein.

Mal ne Frage:

Auf welcher Ebene siehst Du Dich? Definierst Du Dich als über der Natur stehend als Teil der Natur oder bist Du Natur?

 

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