Visionssuche von A – Z: Angst und Selbstsabotage

Visionssuche von A – Z: Angst und Selbstsabotage – von inneren und äußeren Wildschweinen

Träumst Du von wildromantischen Bergen, grandiosen Visionen und einem erfüllten, neuen Leben, wenn Du an die Visionssuche denkst? Dann geht Dir ein wesentlicher Aspekt in der weichgespülten Version verloren, denn Dramen und Konflikte gehören ebenfalls dazu.

Mia und Markus packen aus

Wir teilen mit Dir unsere Ängste und Sabotagemuster, die uns vor und während der Visionssuche überfielen. Denn eines ist sicher: jeder der sich zu dieser Reise aufmacht, wird irgendwann von Ängsten, inneren Widerständen und Sabotagemustern durchgerüttelt.

Markus berichtet über seine Ängste

„Nach der Entscheidung, mich zur Visionssuche in den Bergen anzumelden, fühle ich mich zunächst ganz klar und rundweg positiv. Etwas später überfallen mich Gedanken „Was, wenn wilde Tiere, z.B. Wildschweine, mich anfallen?“ Diese Angst trage ich nun mit mir herum.

Ein paar Mal schon war ich auf Entfernung Wildschweinen begegnet und hatte höchsten Respekt. Ich rede mir ein, dass es wohl darum ginge, sich so in Lebensgefahr zu begeben. Das sei wohl der Preis den ich zahlen müsse, um mir und meinem Anliegen näher zu kommen.  Da die Visionssuche erst ein Jahr später ansteht habe viel Zeit meine Angst heldenhaft mit mir herumzutragen. Erstaunlicherweise unternahm ich auch nichts, um mich näher mit der Realität dieser Ängste zu beschäftigen.

Ein Jahr später. Auf der Visionssuche teile ich meine Ängste mit der Gruppe. Die Leiter lächeln und erklären mir, dass es auf dieser Höhe keine Wildschweine gebe, einzig und allein auf Murmeltieren könne ich meine Ängste projizieren. Später geben sie uns ausführliche Hinweise, wie wir uns verschiedensten Situationen verhalten sollen. Verblüfft stelle ich fest, dass ich ein Jahr lang eine große Angst mit mir herum getragen hatte, die ich sehr schnell hätte aufklären können.

Gar kein so untypischer Umgang mit Ängsten. Ebenso untypisch ist es, dass wir, wenn wir nach dem greifen, was wir wirklich wollen, Ängste auftauchen, die uns davor bewahren und uns in den vertrauten Bahnen belassen wollen.“

Markus berichtet über Selbst-Sabotage 

Markus berichtet weiter: „Wie so oft in meinem Leben habe ich mir gefühlt zu viel aufgehalst. Ein paar Tage vor der Visionssuche beginne ich die Liste mit den benötigten Materialien für die Auszeit anzuschauen. Nun werde ich ärgerlich, wie kann man so eine umfangreiche Liste und so viele Materialien verlangen? Woher soll ich das denn jetzt so Last-Minute noch bekommen? Die Liste hatte ich natürlich schon vor Monaten erhalten.

Gestresst fahre ich in den Baummarkt. Nicht alles bekomme ich in den gewünschten Größen. So ist meine Plane für den Schutz bei Regen wesentlich kleiner, ebenso die Schnüre. Aber ich habe ja nicht viel Zeit.

Mit einem Freund fahre ich los zur Visionssuche. Wir tauschen uns aus über die Vorbereitung. Er hatte sich viel Zeit im Vorfeld genommen, sich informiert und alles sehr ordentlich verpackt. Während wir uns so unterhalten fühle ich mich beschämt, es ist mir peinlich wie nachlässig ich rangegangen war, zum anderen grolle ich mit den Leitern der Visionssuche, und ich bekomme Sorge, dass ich wirklich nicht gut sortiert und vorbereitet bin.

 

das Selbstsabotage-Programm schlägt zu

 

Just in dem Moment durchfährt mich ein Schock: meine Wanderschuhe stehen noch im Flur! Von dem sind wir aber nun zwei Stunden entfernt. Mit Turnschuhen fahre ich los.

Später ein noch größeres Erschrecken als wir unseren eigenen Platz für die Auszeit suchen: laut Voraussage soll es zwei Tage strömend regnen – und meine Plane ist viel zu klein.

Ich teile abends meine Ängste in der Runde und ergebe mich innerlich in mein Schicksal nun auch dem Regen wohl schutzlos ausgeliefert zu sein. Mein Freund kommt mir zur Hilfe, er hat eine zweite große Plane mitgenommen, diese bekomme ich. Das war Glück und Hilfe im letzten Moment.

Natürlich wird mir klar, dass ich dieses Muster der mangelhaften und – mir und anderen gegenüber – verantwortungslosen Vorbereitung immer wieder abspule, wenn es um etwas für mich Wichtiges geht. In meiner Auszeit trete ich bewusst aus diesen Mustern – doch dazu in einem späteren Artikel mehr.

Mia berichtet über ihre Ängste

Nach der Anmeldung zur Visionssuche, die mich zuerst ganz euphorisch in Bildern einer Mia schwelgen ließ, die sehr denen eines weiblichen Indiana Jones glich, bekam ich Muffensausen.

Ich, die noch niemals zuvor gecampt hatte, nie im Zeltlager war oder auch nur ansatzweise Outdoor-Erfahrungen hatte, wollte vier Tage und vier Nächte in der Natur verbringen?

„Alles eine Frage der Vorbereitung“, versuchte ich mich zu beruhigen und begann, mich durch Outdoor-Kataloge zu wühlen, Testberichte über Iso-Matten, Tarps und Schlafsäcke zu checken, Dutzende von Bergstiefeln anzuprobieren und akribisch die Material-Liste abzuarbeiten. Monate zuvor packte und entpackte ich meinen Rucksack und versuchte auf diesem Weg meine Ängste in den Griff zu bekommen. Das ich welche hätte, kam mir gar nicht in den Sinn. Die blendete ich durch wilden Aktionismus aus:

Ich malte mir aus, was ich alles an den Tagen „da Draußen“ unternehmen wollte: Bergwanderungen zur Erkundung meiner Umgebung, Pflanzen sammeln, Steine sammeln für den Wachnacht-Kreis, dazwischen Sonnenbaden für den Teint – ja, ich hatte mir tatsächlich eine „Auszeit-To-Do-Liste“ gebastelt. 

Ich wollte alles unter Kontrolle haben, alles im Griff haben, damit mich nichts unvorbereitet „überfallen“ könnte. 

Mia berichtet über die Gnade, wenn „Etwas“ die Regie übernimmt

Da saß ich nun. Mit durchkreuzten Plänen und einem großen Fragezeichen im Gesicht. Am Nachmittag des ersten Tags, nachdem ich akribisch mein Heim für die nächsten Tage aufgebaut hatte, bekam ich meine Tage. Vollkommen unerklärlich für mich, denn ich hatte das Jahr zuvor bereits keinen Zyklus mehr.  Das brachte mich vollkommen aus dem Konzept. Ich hatte keine Binden oder Tampons mit. Nur vier Päckchen Tempo-Taschentücher. 

 

Visionssuche – manches gilt es auszusitzen

Ich musste es also  „aussitzen“, konnte nicht vor mir weglaufen, musste 100 Stunden mit mir verbringen. Ganz ohne Pläne, ohne To-Do-Listen. 

 

Leben ist das, was passiert,

während Du eifrig dabei bist,

andere Pläne zu machen 

John Lennon

 

Und ich bin dem, was da in meine Pläne eingriff, unendlich dankbar, bei meiner gut getarnten Selbstsabotage nicht mitgespielt zu haben!

Und wo haben sich Deine inneren Wildsäue versteckt?

Welche Ängste kommen Dir, wenn Du daran denkst, was Du wirklich tief im Inneren möchtest?

Wie sabotierst Du Dich immer wieder selbst, wie lenkst Du Dich davon ab, das zu tun was Du als richtig empfindest?

Im kommenden Artikel gibt es ein Q&A über Einwände, Bedenken, Hinderungsgründe und Abwehrstrategien, die uns bei der Überlegung, ob eine Visionssuche ansteht, überfallen könnten.

Hast Du Lust bekommen, mehr über unsere Visionssuche, die wir im August 2021 anbieten, zu erfahren? Dann sprich` uns an! Wir freuen uns auf Dich!

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